Tagesspiegel, Sonntag, 27. Februar 2005
das deutsche wohnzimmer
Es ist die Bühne des privaten Lebens. Hier verwirklichen sich Spießer und hippe Freunde des Designs. Und jeder fragt sich: Wie sieht das denn aus?
...leider nur als PDF.
Radio Fritz, 23. Februar. 2005
i house you schnüffeln erlaubt
Es gibt zur Zeit eine Ausstellung, die uns endlich erlaubt hemmungslos in fremde Zimmer zu schauen. Sie zielt förmlich darauf, dass wir unseren natürlichen Voyeurismus ausleben. „I house you“ erstreckt sich über drei Etagen, in denen der Besucher 14 verschiedene Privat-Räume von 14 verschiedenen Künstlern besuchen kann.
Zum Beispiel Jim Avignon, Musiker und Künstler, Jenni Zylka, Autorin oder auch Patrick Jambon, Performance-Künstler haben sich die leerstehenden Räume in der Berliner Galerie der Künste mit ihren eigenen, bzw. mit ausgeliehenen Möbeln so eingerichtet, wie er sie und ihr Leben am besten widerspiegelt. Bei Jenny Zylka sieht's ziemlich chaotisch aus, orange-weißer Retro-Look und Sex Pistols Platten.
Bei Jim Avignon dominiert ein schwarzer Elephant eine Zimmer-Wand. Im Zimmer der Zen-Architektin Anabela Macieira muss man aufpassen nicht einzuschlafen, obwohl ein riesiger schwarzer Liege-Sessel vor zwei Zimmer-Wasserfällen sehr dazu einlädt. Wer es liebt in ebenerdige Wohnungen zu schauen, der wird auch diese Ausstellung lieben. Wer gerade umzieht freut sich auch, denn er bekommt jede Menge Anregungen für die eigenen vier Wände….
Tagesspiegel Online
ich wohne, also bin ich!
Wohnungen sprechen: Sie erzählen von den Menschen, die in ihnen wohnen von dem, was sie mögen, wovon sie träumen und was sie tagtäglich zum Leben brauchen. In der Ausstellung „I House You Zur Sprache der eigenen Vier Wände“ haben 14 Persönlichkeiten der Berliner Kunst- und Kulturszene einen „Privat-Raum“ eingerichtet: Ein intimer Rundgang durch Biedermeier-Salons, Zen-Zimmer, Wohn- und Denk-Räume. Nichts ist so spannend wie „Homestories“!
12-18 Uhr, GdK Galerie der Künste, Tiergarten, Potsdamer Str. 78.
[030], 1. Februar 2005
i house you
Die Ausstellung „I House You“ zeigt Privaträume von verschiedenen Berliner Persönlichkeiten und führt nicht nur die unterschiedlichen Geschmäcker vor, sondern schärft unseren Blick für die „Sprache“ einer Wohnung. Einrichtungen beruhen auf emotionalen Strukturen und enthalten Reales und Unwirkliches. Die Wohnung entzieht sich vollkommen einer nüchternen Sprache, im Gegenteil, sie ist sogar nur durch Emotionalität zu verstehen. Mit der Art unserer Kleidung stellen wir uns nach außen zur Schau, aber eine Ansicht der Wohnung bleibt nur ausgewählten Menschen vorbehalten. Sie eröffnet zumeist die tiefsten, nicht selten widersprüchlichen Wahrheiten über den Bewohner. In der Ausstellung soll es darum gehen, das Individuelle als Gemeinsamkeit zu entdecken. Die Wohnung bewahrt unser tiefstes Geheimnis dass jeder eines hat, verbindet uns.
Vom 15.02. bis 03.04., „I House You“ Zur Sprache der eigenen vier Wände, GdK Galerie der Künste, Potsdamer Str. 78, Berlin-Tiergarten
Berliner Morgenpost, 14. Februar 2005
kompromißlose ästheten
Die Schau "I house you" zeigt 14 von Künstlern eingerichtete Wohnungen / von Christiane Meixner
Kalt ist es in allen Zimmern, doch manche lassen einen richtig frieren. Da ist der Raum von Michael Konstabel, Berliner Filmproduzent im Independend-Sektor: Ein nahezu leeres Zimmer mit weißen, wandgroßen Folien, auf die Büromöbel aus dem Prospekt in Originalgröße gedruckt sind. Ein schönes Interieur, sicher. Glatt wie die Oberflächen der teuren Schränke und Regale, die mehr über die finanzielle Potenz ihres Besitzers als dessen Charakter erzählen. Über Konstabel, der sich die "Einrichtung" aussuchen konnte, verraten sie noch etwas: Daß er sich mehr im virtuellen Raum verortet denn in einem individuellen Zimmer voller Krimskrams.![]()
"I house you" heißt die Ausstellung, die zum Betreten einlädt und insgesamt 14 Räume in einem leerstehenden Haus auf der Potsdamer Straße bietet. Ein Rundgang durch die Fantasien anderer Menschen. Auch wenn die Organisatoren - das Netzmuseum "papirossa" für Sprache und die Galerie der Künste (GdK) - behaupten, die Schau zeige "Privaträume von verschiedenen Persönlichkeiten aus der Berliner Kultur- und Geistesszene."
Denn natürlich zeigt hier niemand, wie er wirklich lebt. Weder Manuel Bonik, der sein Zimmer mit Zeitungen tapeziert hat, noch Anabela Macieira, die ihren Raum mit Feng-Shui-Theorie schier überfrachtet. Zeige mir dein Zimmer, und ich sage dir, wer du sein willst: So macht "I house you" Sinn. Man versteht, weshalb Walter Rothschild ein chaotisches Büro voller Papier inszeniert und diverse Plakate der Bundesbahn aufhängt: Im Leben des Rabbiners kämpft die Sammellust gegen seine Arbeit, die ihn zur ewigen Mobilität mit wenig Gepäck zwingt. Man begreift, warum der Journalist Kolja Mensing seinen Schreibtisch samt PC aufstellt, und Jenni Zylka ihren derart mit persönlichen Accessoires anfüllt, daß man sofort auf optische Entdeckungsreise geht. Die Literatin illustriert mit der möglichst getreuen Rekonstruktion ihrer Wohnzustände ein Phänomen: "Wenn in meiner Wohnung etwas lange genug rumliegt, nimmt es die Farbe der Umgebung an und fällt mir nicht mehr auf." Zylka nennt es den "Chamäleon-Effekt", der ein Aufräumen unmöglich mache.
"Wohnen heißt Kommunikation", behauptet die Ausstellung und hat völlig Recht. Die Räume sprechen, und ihre Botschaften sind eindeutig: Manche locken, andere schrecken ab, es inszeniert sich der geschäftige Kopfarbeiter neben dem kompromißlosen Ästheten. Den nahezu perfekten Raum aber hat der Kunstkritiker Peter Herbstreuth zusammen mit drei Studentinnen der Architekturgruppe "Bizzim" gebaut.
Dank eines Podestes entwickelt sich der Ort: An der Tür ist er mannshohes Zimmer, am Fenster wird er zur Liegelandschaft mit weichen Kissen und Blick auf die geschäftige Straße. "Maßstabsprünge" heißt das Projekt, und es vermittelt tatsächlich zwischen westlichen und östlichen Wohngewohnheiten. Daß dieses Co-Projekt ein Ort mit angenehmer Atmosphäre geworden ist, zeigt, wie man aus Theorie ein sinnliches Erlebnis machen kann.
Potsdamer Str. 78, Tiergarten. Bis 3.4., Di-Fr 12-18 Uhr, Sa/So 12-19 Uhr. Diskussion übers Wohnen: 20.2., ab 18 Uhr.

